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Bluthochdruck – Im Interview mit Dr. med. Georg Friese

Nach Daten der Deutschen Hochdruckliga leidet jeder Dritte Deutsche an Bluthochdruck. Das sind etwa 20 bis 30 Millionen Menschen. Bluthochdruck zählt als Risikofaktor Nr.1 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kann als Begleiterkrankung von Übergewicht und Adipositas auftreten. Aus diesem Grund unterstützen wir Sie bei gesundheitlichen Fragen, die über das Thema Abnehmen hinaus gehen. Sie haben uns über Social Media Ihre Fragen zum Thema Bluthochdruck gestellt. Unser Experte Dr. med. Georg Friese, Ernährungsmediziner und Internist, hat diese für Sie beantwortet:

 

In welchem Bereich liegen die Werte eines gesunden Blutdrucks?

„Es gibt ganz klare Grenzwerte, definiert durch die Deutsche Hochdruckliga. Der obere, sogenannte systolische Wert liegt bei 140 und der untere, diastolische Wert bei 90. Diese Werte richten sich nach der Herzschlagphase. Von der systolischen Phase spricht man, wenn das Herz das Blut aus der linken Herzkammer herauspumpt und sich zusammenzieht. Der untere diastolische Wert entsteht beim Entspannen der linken Herzkammer, wenn also kein Blut in die Hauptschlagader ausgestoßen wird. Diese Grenzwerte gelten theoretisch für Jedermann. Allerdings gibt es bei Menschen über 80 Jahren etwas höhere Grenzwerte (150 systolisch und 90 diastolisch), da die Durchblutung meistens durch verengte, verkalkte Gefäße herabgesetzt ist. In den neuen Leitlinien der Kardiologen steht jedoch, dass der Blutdruck unabhängig von Alter und Geschlecht bei maximal 130 zu 80 liegen sollte.“

 

Kann man Bluthochdruck anhand körperlicher Symptome erkennen?

„Da gibt es unterschiedliche Symptome. Häufig stellt sich Kopfschmerz als eines der ersten Symptome ein, insbesondere morgens. Denn wenn wir aufwachen, ist der Blutdruck am höchsten, sowie unser Cortisolspiegel (Stresshormon), da sich unser Körper auf den Tag vorbereitet. Dazu können sich Schwindel, Benommenheit, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Herzklopfen gesellen und im Extremfall ein beschleunigter Puls. Wenn sich der Blutdruck jedoch schleichend erhöht, können die Symptome ausbleiben oder nur gering auftreten. Deswegen sollte man sich im Zweifelsfall, wenn man Risikofaktoren hat, beim Arzt vorstellen oder den Blutdruck selbst messen.“

 

Ab wann gilt der Blutdruck als chronisch erhöht?

„Der Blutdruck gilt dann als krankhaft erhöht, wenn der Bluthochdruck über einen längeren Zeitraum anhält, also nicht nur episodisch ist. Ein Beispiel: Wenn man sich anstrengt oder Stress hat, kann der Blutdruck ansteigen, das ist normal. Deshalb gilt als wichtige Regel: 5 Minuten bevor man den Blutdruck misst, sollte man sich körperlich nicht anstrengen oder anderweitigem Stress aussetzen. Das ist schonmal die Grundregel. Wenn hier die Werte über den genannten Normwerten 140 zu 80 oder zu 90 liegen, dann sprechen wir von einem erhöhten Blutdruck. Ein leicht erhöhter Blutdruck liegt bei Werten von 160 im oberen Bereich und bis etwa 100 oder 95 im unteren Bereich. Eine Entgleisung beginnt bei Werten über 180 systolisch und über 110 oder 120 diastolisch. Wenn diese Werte häufiger auftreten und nicht situativ abhängig sind, dann handelt es sich um einen festgesetzten oder chronischen Bluthochdruck, der auf jeden Fall weiter untersucht und ggf. auch behandelt werden sollte.“

 

In welchen Mengen begünstigt der Verzehr von Salz einen hohen Blutdruck?

„Zu den Lebensmitteln, die den Blutdruck ungünstig beeinflussen, steht allen voran das Salz. Wir alle haben im Durchschnitt einen erhöhten Salzkonsum, zumindest in unseren Breitengeraden. Häufig, weil schon viele fertige Lebensmittel, insbesondere Brot, vorgesalzen sind und wir unsere Nahrung oft nachsalzen. Die Obergrenze, die von der deutschen Hochdruckliga empfohlen wird, beträgt 6 Gramm Salz pro Tag. Das entspricht etwa einem gehäuften Teelöffel. Das kann sich allerdings im Sommer, wenn man Sport macht und Salz über das Schwitzen ausscheidet, verändern. Die Salzausscheidung über den Schweiß ist sehr individuell. Man kann gut erkennen, ob man viel Salz über den Schweiß verliert, einmal am Geschmack und ob sich Salzränder an der Sportkleidung bilden.“

 

Ist Kaffee wirklich schlecht für den Blutdruck?

„Ein Lebensmittel, was immer wieder mit Hochdruck in Zusammenhang gebracht wird, ist Kaffee – übrigens zu Unrecht wie wir mittlerweile wissen. Kaffee macht definitiv, in normalen Mengen (max. 800 bis 1000 ml am Tag) und in Abhängigkeit von der Kaffeesorte keinen Hochdruck. Je nachdem wie stark man auf Kaffee reagiert, kann sich der Puls etwas erhöhen, jedoch wird der Blutdruck selten stark davon beeinflusst. In normalen Dosen ist Kaffee sogar sehr gesund und hat auch hier schon in vielen Studien große Vorteile in vielerlei Richtungen gezeigt. Deshalb ist Kaffee bei Hochdruckpatienten nicht kontraindiziert oder verboten, wie das früher häufig der Fall war, als man auch Herzkranken verboten hat Kaffee zu trinken.“

 

Bluthochdruck und Übergewicht – Wie hängt das zusammen?

„Der Bluthochdruck ist mit dem Übergewicht deshalb stark verbunden, weil das Herz eine deutliche Mehrarbeit leisten muss, um die größere Körpermasse mit Blut zu versorgen. Das lässt den Blutdruck ansteigen. Im weiteren Verlauf vergrößert sich das Herz und die Herzwand verdickt sich durch die stärkere Belastung. Der Herzmuskel verliert damit seine Anpassungsfähigkeit, er wird steifer. Als Folge des erhöhten Blutdrucks kommt es gleichzeitig zu erhöhten Widerständen in den Gefäßen, weil diese starr werden und nicht mehr so elastisch und anpassungsfähig sind. Durch Cholesterinablagerungen und Verkalkungen der Gefäße, z.B. durch hohe Blutzuckerwerte und Fettstoffwechselstörungen, sowie zunehmenden Alter wird dies verstärkt.“

 

Kann man Bluthochdruck durch Abnehmen entgegenwirken?

„Studien zeigen, dass der Blutdruck bereits durch eine Gewichtsreduktion – teilweise reichen da schon 3 bis 5 kg – signifikant um 5 bis 10 mmHG (das ist die Einheit mit der der Blutdruck gemessen wird) reduziert werden kann. Dadurch kann die Blutdruckmedikation im weiteren Verlauf deutlich reduziert oder komplett abgesetzt werden.“

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